| Pressemeldung | Nr. 054

Erzbischof Schick beendet Reise mit Hilfswerken in den Irak

„Wiederaufbau braucht einen politischen, zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Rahmen“

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), hat gestern Abend (7. April 2018) seine fünftägige Reise in den Irak beendet. Begleitet wurde er von den Leitern der katholischen Hilfswerke, die sich in besonderer Weise im Mittleren Osten engagieren. Am Dienstag hielt sich Erzbischof Schick in der Hauptstadt Bagdad, seit Mittwoch hauptsächlich in der Autonomen Region Kurdistan auf.

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Ein besonderes Augenmerk des Besuchs lag auf der Ninive-Ebene, die seit Jahrhunderten von christlichem Leben geprägt ist. Die Delegation besuchte die von der Terrormiliz IS schwer zerstörten Städte Karakosh und Karemlesh und eine Reihe weiterer Ortschaften, so das heftig umkämpfte Bartella und die von Christen und Jesiden bewohnten Kleinstädte Bashika und Bahzani, die stark unter dem islamistischen Terrorregime gelitten haben. Im Zuge der Eroberung durch den IS musste die gesamte nichtmuslimische Bevölkerung dieser Orte fliehen. Die Rückkehr setzt voraus, dass die Häuser wieder instand gesetzt werden. Wegen fehlender staatlicher Hilfe in diesem Bereich ist hier vor allem die Kirche aktiv, die ein Niniveh Reconstruction Committee gegründet hat. Der syrisch-orthodoxe Bischof Moussa Shamany und hochrangige religiöse Führer der Jesiden berichteten über die nötige Wiederaufbauhilfe, die auch Kirchen und andere Gebetsstätten umfasst.

Fragen des Verbleibs der Christen in der Region und ihres Zusammenlebens mit den anderen Gruppen der Gesellschaft beschäftigten Erzbischof Schick auch in der kurdischen Metropole Dohuk. Hier traf er mit kirchlichen, politischen und zivilgesellschaftlichen Verantwortungsträgern sowie mit einheimischen Akademikern zusammen. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche unterstrich die Verpflichtung der Kirche weltweit, den bedrängten Mitchristen im Irak zur Seite zu stehen. „Wir müssen alles fördern, was den Christen ermöglicht, in ihrer Heimat zu bleiben oder dorthin zurückzukehren. Dabei müssen die Hilfsprogramme immer die künftige friedliche Koexistenz von Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit im Blick haben.“

Erzbischof Schick, der zuletzt vor zwei Jahren im Nordirak war, hatte zu dieser Reise erstmals eine größere Delegation von Leitern katholischer Hilfswerke eingeladen. Gemeinsam verschafften sie sich einen Überblick über die aktuellen Herausforderungen, um eine Grundlage für die effiziente Koordination der Hilfstätigkeiten zu gewinnen.

In Erbil traf die Delegation auf viele Partnerorganisationen der Werke, die ihre Projekte zum Wiederaufbau von Gebäuden und zerstörter Infrastruktur, aber auch zum Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen vorstellten. Insbesondere der Bearbeitung von Traumata, die Gewaltopfer erlitten haben, müsse auch weiterhin hohe Aufmerksamkeit gewidmet werden, so die Vertreter der religionsübergreifend aktiven Jiyan Foundation. Bei der Begegnung mit jungen Christen wurde deutlich, wie eine ganze Generation zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit schwankt. „Am liebsten würden viele Jugendliche sofort das Land verlassen. Aber sie spüren, dass das eine Illusion ist. Umso beeindruckter bin ich, dass die jungen Leute Verantwortung übernehmen wollen, auch wenn sie sich fragen: Für was?“, so Erzbischof Schick. In dieser Situation brauche es zivilgesellschaftliche, staatliche und nicht zuletzt kirchliche Institutionen, die etwas von einer Zukunftsperspektive vermittelten. „Die schulischen Angebote der Kirche leisten hier einen Beitrag und auch die kleine katholische Universität von Erbil. Aber ich möchte auch andere kirchliche Engagements hervorheben, vor allem die Projekte im Gesundheitssektor und im Bereich der sozialen Arbeit“, erklärte Erzbischof Schick.

Erschüttert zeigte sich der Erzbischof von den nach wie vor primitiven Zuständen in einigen Flüchtlingslagern. Im Shariya-Camp nahe Dohuk leben seit vier Jahren jesidische Flüchtlinge, deren Zahl immer noch bei 27.000 liegt. „Diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Jahrelang in Zelten zu leben ist inhuman. Eine offene Kanalisation ist gefährlich für die Gesundheit. Und das wachsende Gewaltpotential aufgrund einer ständigen Frustration stellt eine erhebliche Gefährdung des friedlichen Zusammenlebens dar“, so Erzbischof Schick.

„Ich bin sehr dankbar für das Engagement unserer kirchlichen Hilfswerke. Einmal mehr ist mir deutlich geworden, wie wertvoll und fruchtbar ihre Arbeit ist. Dabei waren sich alle Reiseteilnehmer einig, dass der Einsatz im Irak noch weiter erhöht und die Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen gestärkt werden soll. Auf diese Weise tragen wir dazu bei, dass Christen eine Zukunft im Irak haben, dass sie in Würde und im Frieden mit den anderen Bewohnern dort leben können“, stellte Erzbischof Schick zum Abschluss der Reise fest.


Hintergrund

Erzbischof Schick wurde auf seiner Reise begleitet von Dr. Martin Bröckelmann-Simon (Geschäftsführer Misereor, Aachen), Dr. Thomas Heine-Geldern (Geschäftsführender Präsident Kirche in Not, Königstein), Msgr. Wolfgang Huber (Präsident Missio München), Prälat Dr. Klaus Krämer (Präsident Missio, Aachen, und Präsident Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, Aachen) und Dr. Oliver Müller (Leiter Caritas international, Freiburg).

Hinweise für Medienvertreter:

Kostenfreies Fotomaterial der Reise – unter Nennung des Copyrights – finden Sie zum Herunterladen in der obenstehenden Bildergalerie dieser Pressemitteilung.

Informationen zum Beginn der Reise sind in der Pressemitteilung vom 5. April 2018 verfügbar.